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Julia Peiffer

SONNTAGSHÄNDE UND SUPERKRÜPPEL - ZUR AUSBAUFÄHIGKEIT DER HUMANEN PHYSIS

labor leerIm und nach dem Ersten Weltkrieg spielte die Prothesentechnik eine wichtige Rolle dabei, die Verwundungen des Krieges zu maskieren und die Kriegsversehrten wieder in Arbeitsprozesse zu integrieren. Diese reparierten Männerkörper wurden im Dienst einer patriotischen Machbarkeitspropaganda exzessiv thematisiert und ausgestellt. Gleichzeitig verweisen sie auf ein Paradox, denn sie exponieren einen Verlust, einen Mangel, indem sie ihn ausfüllen. Die über Körperdesign forschende Kulturwissenschaftlerin Julia Peiffer beschreibt den prothetisch reparierten Körper im 20. und im 21. Jahrhundert als einen notorischen Unruheherd: eine Projektionsfläche nationaler Phantasmen und ein Ort der Verhandlung von Fragen der Normalität, Gesundheit und Natürlichkeit.

 

 

Julia Peiffer, machte eine Ausbildung zur medizinisch-technischen Laboratoriums-Assistentin und promovierte 2001 in Kulturwissenschaften. Bis 2009 war sie Kustos der Anatomischen Sammlung der medizinischen Fakultät Jena und realisierte mehrere Ausstellungen zum Thema der Prothetik. Sie arbeitet derzeit an der Designentwicklung für mikroprozessorgesteuerte Prothesensysteme am Science Center Berlin. Sie lebt in Jena und Berlin.