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Klaus Theweleit

DER TECHNOLOGISIERTE ABSPALT-UNTOTE

friedhof leerDominante Kulturprinzipien der eurasiatischen Menschheit sind die Durchsetzung des Ackerbaus (Saatauslese) und die Haustierzucht (Selektion von Wildtieren). Unsere Entwicklungsgeschichte, so der Kulturtheoretiker Klaus Theweleit, ist ein Kunstprozess, verbunden mit Gehirnsprüngen. Als Regel gilt: Alle Technologiestrukturen werden zu körperlichen Strukturen, werden zu psychischen Strukturen. Segment, Sequenz... unsere Körperlichkeit ist bis heute davon bestimmt. Mikrobiologie, Kernspaltung, Digitalisierung, Nano; die Segmente immer kleiner, die Sequenzen endloser. In unserer vorherrschenden Charakterstruktur sind wir Funktionalitäten solcher Aufspaltungen. Nicht schizo, sondern multifunktional. Von der fragmentierten zur multiplen Person. Unsere Kulturaufgabe im Alltag: die Spaltungen ausbalancieren, reibungslos von einem Zustand auf den anderen umzuschalten. Der technologisierte Abspalt-Untote: höchst lebendig.

 

 

Klaus Theweleit studierte Germanistik und Anglistik in Kiel und Freiburg. Er war bis 2008 Professor für Kunst und Theorie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe; Lehraufträge in Deutschland, den USA, der Schweiz und Österreich. Bekannt wurde er durch das 1977 erschienene, doppelbändige Werk «Männerphantasien». Heute lebt er als freier Schriftsteller in Freiburg. www.soziologie.uni-freiburg.de