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Vinciane Despret

MIT DEN TOTEN REDEN

krankenhaus leerMenschen haben immer wieder neue Wege gefunden, mit ihren Toten in Kontakt zu bleiben: durch Bilder, Filme und Bücher, aber auch in individuellen Formen der Trauer, die keine Verarbeitung formulieren, sondern sich als Anrufung direkt an die Verstorbenen wenden. Gerade in den letzten Jahren kann man beobachten, dass die Toten zurückkehren, an die Orte der Populärkultur, besonders ins Fernsehen, die ihnen gegenüber eher aufgeschlossen sind. Die Psychologin und Professorin für Philosophie Vinciane Despret forscht seit Jahren zu einer Ökologie und Ethologie der Toten und fragt nach, was denn ein gutes Milieu für die Toten sei. Eine große Herausforderung sei dabei, eine Sprache zu finden, die weder den Lebenden zu viel Aktivität zuschreibt (als sei der Kontakt zu den Toten allein Produkt ihrer Vorstellungskraft) noch den Toten (als existierten sie autonom). In ihrer an Kunstpraktiken orientierten Feldforschung versucht sie, Totengeister auch in Romanen, TV-Serien oder bei Besuchen von Spiritisten aufzuspüren. Das «Leben der Toten», so Despret, verändere und bereichere - durch einen Zuwachs an Realität - das Leben der Lebenden.

 

 

Vinciane Despret studierte Philosophie, Psychologie und Ethnologie. Sie ist Professorin für Philosophie an der Université de Liège in Belgien und beschäftigt sich mit der Ethnopsychologie des Maskierens und Schmückens sowie mit dem Mensch-Tier-Verhältnis, insbesondere mit der Ethnologie als Wissenspraxis. Momentan erforscht sie die vielfältigen Beziehungen der Lebenden zu ihren Toten. www.vincianedespret.blogspot.com